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Therapieansätze für Kinder von getrennten Eltern

Kinder von getrennten Eltern

Dein Kind sagt vielleicht, dass alles in Ordnung ist. Aber nachts fragt es sich, ob es an ihm liegt. Und tagsüber zieht es sich von Freundschaften zurück, ohne genau zu wissen, warum. 

Das ist nicht einfach nur eine „Phase“.
Dein Kind erlebt gerade eine große Veränderung und braucht jemanden, der ihm erklärt, was passiert.

Trennungskind

Was eine Trennung bei Kindern auslösen kann – und was nicht

Eine Trennung verändert den Alltag von Kindern. Vertraute Dinge sind plötzlich anders. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Trennung Kindern schadet. Die meisten Kinder kommen gut damit zurecht, wenn beide Eltern weiter für sie da sind, sie liebevoll begleiten und ihnen Sicherheit geben. Schwierig wird es vor allem, wenn Eltern lange streiten, Kinder zwischen die Eltern geraten oder es im Alltag keine festen Abläufe mehr gibt.

Nach einer Trennung können Kinder zum Beispiel diese Anzeichen zeigen – manchmal auch über längere Zeit:

  • Angst, jemanden zu verlieren (zum Beispiel starkes Klammern, Schlafprobleme oder die Sorge, dass ein Elternteil weggeht)
  • Das Gefühl, sich entscheiden zu müssen („Wenn ich Mama vermisse, bin ich gegen Papa.“)
  • Schuldgefühle („Wenn ich mich besser benehme, kommen sie vielleicht wieder zusammen.“)
  • Rückzug oder weniger Kontakt zu Freundinnen und Freunden
  • Schlaf- oder Essprobleme, starke Ängste oder Schwierigkeiten in der Schule

Ein einzelnes Anzeichen ist meist kein Grund zur Sorge. Hilfe kann sinnvoll sein, wenn mehrere Probleme gleichzeitig auftreten und auch lange nach der Trennung bleiben – zum Beispiel 18 bis 24 Monate später. Eine Beratungsstelle oder Therapie kann dann dem Kind und der ganzen Familie helfen.

Manche Erfahrungen aus der Kindheit beschäftigen Menschen auch als Erwachsene noch. Auch dann kann es helfen, darüber zu sprechen und Unterstützung zu suchen.


Der häufigste Fehler: Das Kind in den Streit hineinziehen

Wenn Eltern oft streiten, ist das für Kinder schwer. Sie lieben beide Eltern und wollen sich nicht entscheiden müssen. Deshalb sollten Eltern ihrem Kind immer wieder sagen:

„Du bist nicht schuld. Das ist eine Sache zwischen uns Erwachsenen. Wir bleiben beide deine Eltern, und wir haben dich beide lieb.“

Im Alltag heißt das:

  • Den Kontakt zum anderen Elternteil möglich machen und unterstützen. Das gibt dem Kind Sicherheit.
  • Nicht schlecht über den anderen Elternteil reden – auch nicht, wenn das Kind gerade nicht dabei zu sein scheint.
  • Das Kind nicht als Boten benutzen. Eigene Sorgen und Probleme gehören nicht auf die Schultern des Kindes.
  • Dem Kind zuhören. Es darf beide Eltern vermissen, liebhaben oder auch mal wütend sein – ohne Angst vor Ärger zu haben.

Wenn ein Elternteil den anderen aus dem Leben des Kindes drängt

Manchmal spricht der Elternteil, bei dem das Kind lebt, oft schlecht über den anderen Elternteil. Das Kind hört dann über lange Zeit kaum etwas Positives. So kann es schnell den Eindruck bekommen: Der andere Elternteil ist nur noch „der Böse“.

Das geschieht nicht immer absichtlich. Vielleicht möchte der betreuende Elternteil das Kind schützen. Vielleicht ist er selbst verletzt, hat Angst vor Verlust oder davor, ersetzt zu werden. Für das Kind kann es trotzdem sehr belastend sein. Es verliert möglicherweise den Kontakt zu einem Elternteil, den es liebt, und fühlt sich hin- und hergerissen.

Das können mögliche Anzeichen sein:

  • Das Kind sagt nur Negatives über den anderen Elternteil und erinnert sich an nichts Schönes.
  • Die Gründe wirken sehr übertrieben oder schwer verständlich, zum Beispiel: „Er gibt mir immer nur Salat.“
  • Das Kind ist überzeugt, dass es ganz allein zu dieser Meinung gekommen ist.
  • Weniger oder kein Kontakt wird mit „Schutz“ begründet, obwohl das Kind selbst sagt, es wolle keinen Kontakt mehr.
  • Das Kind wird sehr wütend oder sehr traurig, wenn es um den anderen Elternteil geht.

Wichtig: Das Kind ist nicht einfach „beeinflusst“. Es versucht, mit einer schwierigen Lage klarzukommen. Oft hält es zu dem Elternteil, den es jeden Tag erlebt. Es geht nicht darum, das Kind zu etwas zu überreden. Es braucht Raum für unterschiedliche Gefühle: „Ich liebe Papa. Ich habe aber auch Angst vor ihm. Beides darf sein.“

Was der betreuende Elternteil tun kann:

  • Nicht weiter schlecht über den anderen Elternteil sprechen – auch bei großer Wut.
  • Das Kind nicht mit den eigenen Gefühlen über den anderen Elternteil belasten.
  • Hilfe bei einer Beratungsstelle oder einer Fachperson suchen – für sich selbst und für das Kind, nicht gegen den anderen Elternteil.
  • Akzeptieren, dass das Kind beide Eltern lieben kann. Das ist kein Verrat.

Die Rolle von Lehrkräften: Was sie tun können, wenn sich ein Kind verändert

Lehrkräfte merken oft früh, wenn es einem Kind nicht gut geht: Es zieht sich zurück, wird schnell wütend, lässt in der Schule nach oder hat weniger Kontakt zu Freunden. Doch viele wissen nicht genau, wie sie damit umgehen können.

Das ist verständlich:

  • Viele Lehrkräfte haben nicht gelernt, wie sie Kinder bei der Trennung ihrer Eltern unterstützen können.
  • Familiäre Themen sind privat. Lehrkräfte möchten diese Grenze nicht überschreiten.
  • Oft ist unklar, wann Hilfe passend ist und wann sie sich besser zurückhalten sollten.
  • Im Schulalltag bleibt häufig wenig Zeit für längere Gespräche.

Das können Lehrkräfte tun, ohne Partei zu ergreifen:

  • Dem Kind einen sicheren Rahmen geben, in dem es nicht zwischen seinen Eltern steht.
  • Dem Kind sagen: „Du darfst beide Eltern liebhaben. Das ist völlig in Ordnung.“
  • Nicht fragen, wer schuld ist. Das kann das Kind in eine schwierige Lage bringen.
  • Wenn sich ein Kind sehr zurückzieht oder deutlich schlechtere Leistungen zeigt, mit dem Elternteil sprechen, der gut erreichbar ist. Einzelne Gespräche sind oft hilfreicher als ein gemeinsames Gespräch, das Streit auslösen könnte.
  • Das Kind nicht dazu drängen, seine Familiensituation zu erklären. Es muss seine Geschichte nicht vor der Klasse erzählen.

Das dürfen Eltern von Lehrkräften erwarten:

  • Das Kind soll in der Schule nicht zwischen seine Eltern geraten – etwa durch Sätze wie „Mama sagt das, Papa sagt jenes“.
  • Es soll nicht bestraft werden, wenn es gerade eine schwere Zeit hat und weniger leisten kann.
  • Veränderungen sollen ernst genommen werden, ohne das Kind vorschnell zu beurteilen.

So kann psychotherapeutische Begleitung helfen

In der Praxis von Maria Drees bekommen Kinder, Jugendliche und Eltern Unterstützung, die zu ihrer Situation passt:

  1. GESPRÄCHE MIT DEM KIND
    Kinder bekommen einen sicheren Ort, an dem sie über ihre Sorgen sprechen können – zum Beispiel über Schuldgefühle, Verlust oder Streit zwischen den Eltern. Je nach Alter helfen Gespräche, Spielen, Malen oder andere passende Wege.
    → Hilfreich, wenn Probleme länger bleiben, etwa Rückzug, Schlafprobleme, Ängste oder starke Schuldgefühle.

  2. BEGLEITUNG DER FAMILIE
    Gemeinsam schauen wir darauf, was in der Familie los ist – auch mit neuen Partnern oder Geschwistern. Dabei können Erwartungen, Missverständnisse und festgefahrene Muster besprochen und verändert werden.
    → Hilfreich, wenn Streit zwischen den Eltern das Kind belastet oder Eltern selbst Unterstützung brauchen.

  3. BERATUNG FÜR ELTERN
    Eltern erfahren, wie sie ihrem Kind gut zuhören, seine Gefühle ernst nehmen und es dabei unterstützen können, eigene Lösungen zu finden. Es geht nicht darum, Gefühle schnell wegzutrösten oder abzulenken.
    → Hilfreich für Eltern im Alltag.

  4. UNTERSTÜTZUNG BEI KONTAKT UND UMGANG
    Eltern lernen, Konflikte untereinander zu klären, ohne das Kind mit hineinzuziehen. Das kann in gemeinsamen Gesprächen oder durch Beratung geschehen. Weniger Streit entlastet das Kind.
    → Hilfreich bei Trennungen mit viel Streit, schwierigen Übergaben oder Problemen beim Kontakt zum anderen Elternteil.

  5. KINDERGRUPPEN / SELBSTHILFEGRUPPEN (Hinweis)

Kinder erleben, dass andere ähnliche Erfahrungen machen. Das kann helfen, sich weniger allein zu fühlen und Scham abzubauen.
→ Hilfreich für Kinder, die sich zurückziehen oder sich schämen. Angebote gibt es zum Beispiel bei Familienzentren, Selbsthilfegruppen oder Jugendämtern.


Wann eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin sinnvoll ist

Manchmal reicht meine Begleitung als Heilpraktikerin für Psychotherapie nicht aus. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, eine approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin hinzuzuziehen:

  • Wenn eine psychische Erkrankung vermutet wird, zum Beispiel Depressionen, starke Ängste oder belastende Erlebnisse nach einem Trauma.
  • Wenn die Belastung sehr groß ist und eine regelmäßige psychotherapeutische Behandlung nötig ist, die über die Krankenkasse abgerechnet werden kann.
  • Wenn körperliche Ursachen noch nicht beim Kinderarzt abgeklärt wurden.
  • Wenn das Kind bereits bei einer approbierten Psychotherapeutin in Behandlung ist.

Ich bespreche diesen Schritt immer mit den Eltern. In der Regel wird dafür eine Überweisung vom Kinderarzt benötigt.

Hier finden Familien in Deutschland Hilfe

  • Heilpraktikerin für Psychotherapie (privat) – bietet Gespräche und Unterstützung für Kinder, Eltern und Familien an
  • Erziehungsberatungsstellen (kostenlos oder günstig) – helfen Kindern, Jugendlichen und Eltern bei Problemen und Fragen im Alltag
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen – bieten Therapie für Kinder und Jugendliche an. Oft ist eine Überweisung vom Kinderarzt nötig. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten in vielen Fällen.
  • Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie – sind da, wenn es einem Kind oder Jugendlichen sehr schlecht geht oder schnell Hilfe nötig ist
  • Mediations- und Trennungsberatung – hilft Eltern, nach einer Trennung gute und faire Lösungen zu finden. Viele Gemeinden bieten diese Beratung an.
  • Erziehungs- und Familienberatungsstellen der Jugendämter – beraten Eltern und Familien kostenlos, wenn es zu Hause oder in der Familie schwierig ist

Es kann helfen, sich früh Unterstützung zu holen. Das bedeutet nicht, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt. Manchmal tut es einfach gut, mit einer neutralen Person offen über Gefühle und Sorgen zu sprechen.

Kleine Dinge, die im Alltag helfen

  • Behalten Sie feste Rituale bei. Lesen Sie zum Beispiel jeden Sonntag dieselbe Geschichte. Wiederholungen geben Kindern Sicherheit.
  • Halten Sie den anderen Elternteil im Alltag sichtbar – zum Beispiel mit Fotos oder Geschichten. So merkt das Kind: „Beide Eltern gehören zu mir.“
  • Hinterlassen Sie kleine liebevolle Nachrichten, etwa einen Zettel im Rucksack. Das zeigt dem Kind: Ich denke an dich.
  • Versuchen Sie nicht, schwierige Situationen mit Geschenken auszugleichen. Das Kind sollte auch nicht das Gefühl haben, einen Elternteil trösten zu müssen.

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Unterstützung von anderen

  • Vertraute Menschen wie Tante, Onkel, Patentante, Patenonkel oder Nachbarn können dem Kind guttun. Bei ihnen darf es einfach Kind sein und muss nicht zwischen den Eltern stehen.
  • Auch enge Freunde der Familie können Halt geben. Sie sind für das Kind da und bieten eine feste Anlaufstelle außerhalb der Familie.

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Wann ist Hilfe von Fachleuten sinnvoll?

  • Wenn die Probleme nach 18 bis 24 Monaten noch da sind
  • Wenn sich das Kind stark zurückzieht, Freunde verliert oder große Schwierigkeiten in der Schule hat
  • Bei Panikattacken oder starken Problemen mit Schlafen oder Essen
  • Wenn das Kind sagt, es sei schuld, schlecht über sich selbst denkt oder davon spricht, sich wehzutun
  • Wenn ein Elternteil den anderen ständig schlechtmacht und das Kind nur noch die Meinung eines Elternteils übernimmt

⚠️ WICHTIG: Dieser Beitrag ersetzt keine persönliche Beratung, Diagnose oder Therapie. In einer akuten Krise oder bei Suizidgedanken rufen Sie den Notruf 112 an oder wenden Sie sich sofort an eine Kinder- und Jugendpsychiatrie.


Zum Schluss

Dein Kind braucht keine perfekten Eltern.
Es braucht Eltern, die es lieben – und einen Ort, an dem es ehrlich sagen kann, wie es ihm geht.

Du musst das nicht allein schaffen. Dir Hilfe zu holen bedeutet nicht, dass du versagt hast.
Es zeigt, dass dir dein Kind wichtig ist.


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