Die normativen Werte
Für jeden Menschen ist das, was er entsprechend seinem Wissen und seiner Überzeugung als Realität anerkennt, von entscheidender Bedeutung. Dieser innere Maßstab ist sein Gewissen. (...) Daher widerspricht jeder seiner eigenen Überzeugung, wenn er gegen die Harmonie von Wollen und Sollen handelt – also von eigennützigem Zweckdenken und tieferem Sinnverständnis. (...) Wer sich sinnwidrig verhält und gegen seine Überzeugung handelt, wird sich selbst kritisch hinterfragen oder verurteilen müssen. Kein Mensch kann sich dieser inneren Selbstkritik, dem Urteil seines Gewissens – den sogenannten „Gewissensbissen“ – entziehen. Deshalb ist die Gesinnung, die Orientierung am Sinn, ein wesentlicher Bestandteil des Menschseins.
Die vier grundlegenden Selbstgefühle – innere Zufriedenheit, Selbstachtung, Selbstvertrauen und innere Freiheit – prägen durch das Prinzip der funktionalen Einheit alle Aspekte unseres Lebens. Ihre präzise Definition und die Analyse ihrer wechselseitigen Beziehungen ermöglichen die Ableitung regulativer Werte. Diese Werte fördern nicht nur Humanität, sondern verleihen unserem Handeln auch Sinnhaftigkeit. Jedes Selbstgefühl wird durch drei Kategorien definiert, wobei sich jeweils zwei Selbstgefühle in einer Kategorie überschneiden. Diese kategorialen Gemeinsamkeiten entsprechen jeweils einem spezifischen ethischen Wert.
Selbstvertrauen und Selbstachtung teilen beispielsweise eine gemeinsame Kategorie. Beide haben einen „direktiven“ Aspekt: Im Fall des Selbstvertrauens zeigt sich „direktiv“ als führende Haltung, während es bei der Selbstachtung Standfestigkeit symbolisiert. Diese Haltungen – „Führung“ und „Standfestigkeit“ – bilden zusammen die Basis für den ethischen Wert der „Verantwortung“.
Aus der Analyse der vier Selbstgefühle ergeben sich sechs normative Werte der Ethik:
Toleranz – Verantwortung – Aufrichtigkeit – Aufgeschlossenheit – Wohlwollen – Gerechtigkeit.
Diese Werte wirken regulierend auf das Gleichgewicht der Selbstgefühle. Sie begleiten unbewusst unsere Handlungen und Entscheidungen, indem sie Störungen, die durch äußere Einflüsse entstehen, durch einen Selbstregulationsprozess ausgleichen.
Kommt es jedoch zu einer Störung eines oder mehrerer Selbstgefühle, etwa in Konfliktsituationen, gerät das innere Gleichgewicht aus der Balance. In solchen Fällen strebt das Regulationssystem zwar eine relative Stabilität an, erzeugt dabei aber oft nur einen scheinbaren „Ausgleich“. Infolge dessen können die Selbstgefühle dysfunktional werden. Dies äußert sich beispielsweise in widersprüchlichem Denken und Fühlen, mehrdeutigem Sprechen oder manipulativen Verhaltensweisen. Ist etwa die Selbstachtung oder das Selbstvertrauen gestört, fällt es der betroffenen Person schwer, echte Verantwortung zu übernehmen.
Stattdessen zeigt sie vermeidendes, unsicheres oder unterwürfiges Verhalten.
Werden solche Störungen nicht überwunden, können sich manipulative Verhaltensmuster verfestigen.
Es entstehen Rollen, Masken und eine verzerrte Wahrnehmung, bei der Menschen nur noch das fühlen und erleben, was sie sich selbst einreden, oder stark von äußeren Einflüssen abhängig sind.
Die „Psycho-Logik“ bietet die Möglichkeit, diesen Prozess umzukehren. Sie erlaubt es, jede Handlung – sei es im privaten oder beruflichen Kontext, individuell oder institutionell – auf die zugrunde liegenden Werte und unbewussten Motivationen hin zu analysieren und zu hinterfragen.
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